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Schaltkreis

Einplatinenrechner

Raspberry Pi 5 im Langzeittest: Der Bastelrechner ist erwachsen geworden

Schneller Prozessor, PCIe für NVMe-SSDs und endlich ein Ein-Schalter: Der Pi 5 ist ein vollwertiger kleiner Server. Nur der Preis ist nicht mehr so bastelfreundlich wie früher.

Redaktion Schaltkreis2 Min. Lesezeit

Illustration einer grünen Einplatinen-Platine von oben mit 40-poliger Stiftleiste, Prozessor, Arbeitsspeicher sowie USB- und Ethernet-Buchsen.

Wertung: 8,4 von 10 Punkten

Kurzfazit

Leistungsmäßig ist der Pi 5 ein großer Sprung und dank PCIe endlich ein ernstzunehmendes Homeserver-Fundament. Mit aktivem Kühler, gutem Netzteil und SSD summiert sich der Preis allerdings – die Zeiten des 35-Dollar-Computers sind vorbei.

Ideal für: Homelab-Einsteiger, Maker-Projekte, kleine Server und Retro-Gaming.

Leistung: Plötzlich fühlt sich der Desktop flüssig an

Der BCM2712 mit vier Cortex-A76-Kernen bei 2,4 GHz ist der größte Leistungssprung in der Geschichte der Pi-Familie. Im Alltag zeigt sich das sofort: Der Raspberry-Pi-OS-Desktop reagiert flüssig, ein Browser mit mehreren Tabs ist kein Geduldsspiel mehr, und Docker-Container starten zügig.

Auch die GPU hat zugelegt. Zwei Monitore in 4K mit 60 Hz sind möglich, und Emulatoren für ältere Konsolen laufen deutlich runder als auf dem Pi 4.

PCIe und NVMe: Abschied von der microSD-Karte

Das wichtigste neue Feature ist unscheinbar: ein kleiner Flachbandanschluss für eine PCIe-2.0-Lane. Mit einem passenden HAT lässt sich darüber eine NVMe-SSD anschließen. Das System bootet schneller, Datenbanken und Container profitieren massiv – und vor allem fällt das notorische Problem kaputter microSD-Karten weg.

Für einen Homeserver mit Pi-hole, Home Assistant oder einem kleinen Medienserver ist das der Unterschied zwischen Bastelprojekt und Gerät, das man jahrelang vergessen kann.

Kühlung und Stromversorgung

Mehr Leistung bedeutet mehr Wärme. Ohne Kühlkörper erreicht der Pi 5 unter Dauerlast schnell die Temperatur, ab der er drosselt. Der offizielle Active Cooler wird einfach aufgesteckt, an den vorgesehenen Lüfteranschluss angeschlossen und regelt sich temperaturabhängig – im Leerlauf bleibt er still.

Beim Netzteil sollte man nicht sparen: Erst mit 5 V und 5 A gibt der Pi die volle Leistung an angeschlossene USB-Geräte weiter. Mit einem schwächeren USB-C-Netzteil startet er zwar, begrenzt aber den USB-Strom und weist beim Booten darauf hin.

Illustration derselben Platine mit aufgesetztem Kühlkörper mit Lamellen und einem schwarzen Radiallüfter in der Mitte.
Mit aktivem Kühler bleibt der Pi 5 auch unter Dauerlast unterhalb der Drosselgrenze.

Der Preis: Das Ende des 35-Dollar-Computers

Hier liegt der wunde Punkt. Durch die weltweite Speicherknappheit hat die Raspberry Pi Foundation die Preise mehrfach angehoben; besonders die Varianten mit viel RAM sind betroffen, die 16-GB-Version kostet in den USA inzwischen über 200 Dollar. Rechnet man Kühler, Netzteil, Gehäuse und SSD dazu, landet man schnell in der Region gebrauchter Mini-PCs mit x86-Prozessor.

Unser Rat: Für die meisten Projekte reichen 4 oder 8 GB völlig. Wer nur einen kleinen Server braucht und keinen GPIO-Zugriff, sollte auch einen Blick auf gebrauchte Thin Clients werfen.

Fazit

Der Raspberry Pi 5 ist technisch der beste Pi, den es je gab: schnell, gut ausgestattet und dank PCIe endlich ein solides Fundament für dauerhaft laufende Projekte. Die Software-Unterstützung und Community bleiben unerreicht. Dass das Gesamtpaket teurer geworden ist, liegt nur zum Teil am Hersteller – macht die Kaufentscheidung aber weniger selbstverständlich als früher.

Pro & Contra

Pro

  • Deutlich mehr CPU- und GPU-Leistung als der Pi 4
  • PCIe-Anschluss für NVMe-SSDs – schnell und zuverlässiger als microSD
  • Eingebauter Ein-/Aus-Taster und Echtzeituhr
  • Zwei 4K60-Ausgänge und zwei Kamera-/Display-Anschlüsse
  • Riesiges Ökosystem an Zubehör, Software und Anleitungen

Contra

  • Ohne aktive Kühlung drosselt er unter Dauerlast
  • Braucht für volle USB-Leistung ein 5-V/5-A-Netzteil
  • Preise durch RAM-Knappheit deutlich gestiegen
  • Micro-HDMI statt normaler HDMI-Buchsen

Technische Daten

Technische Daten Raspberry Pi 5
SoCBroadcom BCM2712, 4× Cortex-A76 @ 2,4 GHz
GPUVideoCore VII
ArbeitsspeicherLPDDR4X, mehrere Varianten bis 16 GB
SpeichermicroSD, NVMe über PCIe 2.0 ×1 (mit HAT)
USB2× USB 3.0, 2× USB 2.0
NetzwerkGigabit-Ethernet (PoE+ per HAT), Wi-Fi 5, Bluetooth 5.0
Video2× Micro-HDMI, bis zu 2× 4Kp60
I/O-ControllerRP1 (Eigenentwicklung)
StromversorgungUSB-C, 5 V / 5 A empfohlen

Preis: stark abhängig von RAM-Größe und aktueller Speicherknappheit. Angaben laut Hersteller bzw. verlinkten Quellen.

Quellen

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