Audio
Sony WH-1000XM6 im Test: Die Ruhe hat wieder Scharniere
Schnellerer Noise-Cancelling-Chip, zwölf Mikrofone und endlich wieder ein Bügel, der sich falten lässt. Lohnt sich das Upgrade vom XM5?
Redaktion Schaltkreis3 Min. Lesezeit

Wertung: 8,8 von 10 Punkten
Kurzfazit
Der XM6 ist kein Revolutionsschritt, aber er repariert genau die Punkte, die beim XM5 genervt haben. Wer täglich pendelt oder fliegt, bekommt hier eines der ruhigsten Ohren-Refugien, die man kaufen kann.
Ideal für: Vielreisende, Pendler und alle, die im Großraumbüro konzentriert arbeiten wollen.
Design: Der Schritt zurück ist ein Schritt nach vorn
Beim WH-1000XM5 hatte Sony den Faltmechanismus gestrichen – zugunsten einer schlankeren Silhouette, aber zulasten jeder Reisetasche. Der XM6 bringt die Scharniere zurück: Die Ohrmuscheln klappen nach innen, der Kopfhörer wird zu einem kompakten Bündel. Das klingt nach einem Detail, verändert im Alltag aber, ob man ihn mitnimmt oder zu Hause lässt.
Der Kopfbügel ist breiter geworden und verteilt den Druck spürbar besser. Die Polster aus Kunstleder sind weich und tief genug, dass auch größere Ohren nicht anstoßen. Nach drei Stunden am Stück drückt nichts – lediglich im Hochsommer wird es unter den geschlossenen Muscheln warm, wie bei jedem Over-Ear dieser Klasse.
Weniger gelungen: Das Gehäuse besteht vollständig aus Kunststoff. Es wirkt solide verarbeitet, aber bei einem Kopfhörer dieser Preisklasse würde man sich zumindest an den Gleitschienen Metall wünschen.
Noise Cancelling: Zwölf Mikrofone gegen den Rest der Welt
Das Herzstück ist der neue QN3-Chip. Sony gibt an, dass er siebenmal schneller rechnet als der QN1 im Vorgänger, und verteilt zwölf Mikrofone auf beide Ohrmuscheln – sechs pro Seite. Das Ergebnis ist vor allem bei gleichmäßigem, tieffrequentem Lärm beeindruckend: Triebwerksdröhnen, Zuggeräusche oder das Brummen einer Klimaanlage verschwinden fast vollständig.
Bei unregelmäßigen Geräuschen wie Stimmen im Großraumbüro oder klappernden Tassen kann auch der XM6 keine Wunder vollbringen, dämpft sie aber deutlich. Positiv: Die Anpassung an wechselnde Umgebungen passiert so schnell und unauffällig, dass man sie kaum bemerkt – kein Pumpen, kein Druckgefühl.
Der Umgebungsmodus klingt natürlich genug, um kurz an der Kasse zu bezahlen, ohne den Kopfhörer abzunehmen. Wer mag, legt die Hand auf die rechte Muschel und hört sofort die Umgebung.

Klang: Ausgewogener als erwartet
Ab Werk ist der XM6 weniger basslastig abgestimmt als frühere Generationen. Die Mitten sind klar, Stimmen stehen sauber im Raum, und die Höhen bleiben auch bei hoher Lautstärke angenehm. Wer es druckvoller mag, dreht im Equalizer der App den Bass hoch – Reserven sind genug vorhanden.
Mit LDAC am Android-Smartphone holt man das Maximum heraus; über AAC am iPhone klingt der Kopfhörer immer noch sehr gut, verliert aber etwas Detailtiefe. Die Unterstützung von LC3 ist eher eine Investition in die Zukunft: Mit Bluetooth LE Audio sinkt die Latenz und der Akku hält tendenziell länger.
Akku und Alltag
Sony nennt bis zu 30 Stunden mit aktivem Noise Cancelling und bis zu 40 Stunden ohne – identisch zum XM5. Für eine Arbeitswoche mit täglichem Pendeln reicht das mühelos. Wird es knapp, liefert eine Ladung von wenigen Minuten per USB-C wieder Musik für mehrere Stunden.
Dass die 3,5-mm-Buchse geblieben ist, wird jeder zu schätzen wissen, der im Flugzeug das Bordprogramm nutzen will. Multipoint – also die gleichzeitige Verbindung mit Laptop und Smartphone – funktioniert zuverlässig.
Fazit
Der WH-1000XM6 ist das, was der XM5 hätte sein sollen: genauso leise, bequemer und wieder reisetauglich. Wer einen XM5 besitzt und zufrieden ist, muss nicht wechseln. Wer von einem älteren Modell oder einem günstigeren Kopfhörer kommt, bekommt hier ein Gesamtpaket, das in Sachen Ruhe kaum zu schlagen ist.
Pro & Contra
Pro
- Hervorragendes Active Noise Cancelling, besonders bei tiefen Frequenzen
- Faltbarer Bügel – wieder taschenfreundlicher als beim XM5
- LDAC und LC3 für hohe Qualität bzw. zukunftssichere Verbindungen
- 3,5-mm-Klinke für Flugzeug-Entertainment und kabelgebundenen Betrieb
- Schnellladen: wenige Minuten Strom reichen für Stunden Musik
Contra
- Teurer als der Vorgänger zum Marktstart
- Akkulaufzeit gegenüber dem XM5 nicht verbessert
- Komplett aus Kunststoff – fühlt sich weniger edel an als der Preis
- Transport-Etui bleibt trotz Faltmechanismus recht groß
Technische Daten
| Bauform | Over-Ear, geschlossen, faltbar |
|---|---|
| Treiber | 30 mm, Carbon-Komposit-Kalotte |
| ANC-Prozessor | HD Noise Canceling Processor QN3 |
| Mikrofone | 12 für ANC (6 pro Seite) |
| Bluetooth | 5.3, SBC / AAC / LDAC / LC3 |
| Akkulaufzeit | bis 30 h mit ANC, bis 40 h ohne |
| Anschlüsse | USB-C, 3,5-mm-Klinke |
| Gewicht | ca. 254 g |
| Farben | Schwarz, Midnight Blue, Platinum Silver |
Preis: Marktstart 449 US-$ / 400 £, im Handel inzwischen günstiger. Angaben laut Hersteller bzw. verlinkten Quellen.
Quellen
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